Meister und Supercup-Sieger: Das Team des SSC Palmberg Schwerin. Foto: Ecki Raff

11Okt2017

1. Liga Frauen: Vorschau auf die Spielzeit 2017/2018

Ins Viertelfinale der Europameisterschaft flog die Frauen-Nationalmannschaft Ende September. Erfreulich für die Fans hierzulande: Zehn der vierzehn Nationalspielerinnen verdienen ihr Geld bei den Profi-Vereinen in der Bundesliga. Schon beim ersten Saisonhighlight – dem Supercup zwischen SSC Palmberg Schwerin und Allianz MTV Stuttgart (3:0) – standen zehn EM-Starterinnen aus mehreren Nationen auf dem Feld.

„Das zeigt, dass die VBL eine starke Liga ist, in der deutsche und europäische Nationalspielerinnen in ihren Teams herausragende Leistungen bringen“, sagt Nicole Fetting, Vizepräsidentin der Volleyball Bundesliga und Sprecherin der Frauen-Bundesliga. Das zeigt sich nun auch anhand der TV-Zeiten: Denn SPORT1 präsentiert ab der neuen Saison erstmals Spiele der Frauen-Bundesliga live und exklusiv im Free-TV.

Einen regelmäßigen Sendeplatz gibt es auch: Mittwochabend, ab 19.00 Uhr. Zum Saisonauftakt zeigt SPORT1 am Mittwoch, 18. Oktober, den Auftritt des amtierenden Meisters aus Schwerin bei den Roten Raben Vilsbiburg und wird darüber hinaus weitere neun Spiele live senden. Doch schon vorher geht es mit dem ersten Spieltag los: Am kommenden Samstag (14.10.) starten die ersten fünf Spiele der neuen Saison. Die VBL hat sich im Vorfeld alle Vereine angesehen: 

Allianz MTV Stuttgart
Das Stuttgarter Team geht mit einer Neubesetzung an der Seitenlinie in die Saison - Giannis Athanasopoulos wurde beim amtierenden Pokalsieger vom Co- zum Cheftrainer befördert. „Ich denke, wir sind in der Liga schon bekannt für unseren Kampfgeist und die Tatsache, dass wir gerne auch einmal für Überraschungen sorgen, 0:2-Rückstände aufholen können und nie aufgeben. Das wird sich auch in dieser Saison nicht ändern, wir wollen alles rausholen, was nur geht“, sagt der Grieche. Dabei kann er auf drei EM-Stars in den eigenen Reihen bauen: Teodora Pusic aus Serbien sowie Femke Stoltenborg und Nika Daalderop aus den Niederlanden holten mit ihren Nationalteams bei der Europameisterschaft in Aserbaidschan vor Saisonbeginn Gold (Pusic) und Silber.
Außerhalb des Spielfeldes leitet Kim Renkema nun die Geschicke als Sportdirektorin – die ehemalige MTV-Spielerin hat einen Kader zusammengestellt, der einer Dreifachbelastung aus Bundesliga, DVV Pokal und CEV Cup standhalten muss: „Inzwischen sind wir daran gewöhnt, trainieren gezielt darauf hin und wissen, wie wir mit englischen Wochen umgehen müssen. International nehmen wir uns vor, uns wieder von unserer besten Seite zu zeigen und uns weiterhin einen Namen auf dem europäischen Parkett zu machen“, so Renkema.

Dresdner SC
Nach drei Meisterschaften in Folge standen die Dresdnerinnen nach dem verlorenen Play-off-Halbfinale gegen Stuttgart am Ende der vergangenen Saison mit leeren Händen da. Für Cheftrainer Alexander Waibl, seit nunmehr 2009 im Amt, ist das eine Motivation. „Wir wissen, dass auch andere Teams das Ziel Meisterschaft verfolgen, aber wenn du in den vergangenen vier Jahren dreimal die Meisterschale in den Händen gehalten hast, kann es nur dieses eine Ziel geben.“
Auch Waibl hat zwei Athletinnen in seinem Kader, die mit viel Selbstvertrauen in die neue Saison starten dürften: Die niederländischen Nationalspielerinnen Marrit Jasper und Myrthe Schoot kehrten mit Silber dekoriert von der Europameisterschaft nach Dresden zurück. „Wir haben eine interessante Mischung aus jungen Wilden und erfahrenen Spielerinnen, die den DSC bereits länger kennen“, sagt Waibl. Auch der erfahrene Coach muss mit seinem Team eine Dreifachbelastung schultern, denn neben Bundesliga treten die Sachsen auch im DVV-Pokal und international im CEV-Cup an.
„Die Belastung durch den internationalen Wettbewerb wirkt sich vor allem in der zweiten Saisonhälfte aus. Die Anzahl an potenziellen ‚Englischen Wochen‘ in 2018 ist sehr hoch. Das sind wir aber bereits gewohnt und in der Vergangenheit haben wir aus den Erfahrungen im internationalen Wettbewerb spätestens in den Play-offs profitiert“, sagt Waibl.

Ladies in Black Aachen
Zehn Jahre in der 1. Bundesliga – die Ladies in Black Aachen bestreiten in diesem Jahr ihre Jubiläumssaison und haben sich ein großes Geschenk schon selbst gemacht. Nach vielen Umbrüchen im Kader in den abgelaufenen Spielzeiten, können die Ladies in der neuen Saison mit vielen bekannten Gesichtern auf dem Feld auflaufen. „Das Wichtigste für uns ist, dass wir gerade mal zwei Neuzugänge haben: Karolina Pisla und Jelena Sunjic. Mit Britt Bongaerts kehrt zudem nach einer Saison beim USC Münster eine bereits bekannte Spielerin zurück. Der Großteil der Mannschaft konnte also gehalten werden“, sagt Mannschaftsverantwortlicher Dirk Heinhuis.
Mit der einzigen Frau auf der Position des Cheftrainers in den ersten Bundesligen, wollen die Ladies in Black Aachen mit Saskia van Hintum direkt in die Play-offs. Aufwind dafür soll vor allem die fantastische Atmosphäre in der Sporthalle Neuköllner Straße geben – die Stimmung in der Heimspielstätte der Aachener ist legendär.

Rote Raben Vilsbiburg
Erst im entscheidenden dritten Viertelfinalspiel gegen den Serien-Meister aus Dresden mussten sich die Roten Raben Vilsbiburg in der vergangenen Saison aus den Play-offs verabschieden. Dementsprechend ehrgeizig sind die Saisonpläne bei dem Team aus Niederbayern für 2017/18. „Wir wollen in der Bundesliga an die Top 3 anschließen und im Pokal eine Runde weiterkommen als in der letzten Saison“, sagt Geschäftsführer André Wehnert vom Pokal-Halbfinalisten der Vorsaison.
Dafür holte man sich mit dem Schweizer Timothy Lippuner einen neuen Cheftrainer und mit Jennifer Pettke und Leonie Schwertmann zwei deutsche Nationalspielerinnen. „Sie sind hinsichtlich unserer höher gesetzten Ziele und der Strategie, vermehrt auf deutsche Spielerinnen zu setzen, zwei sehr wichtige Neuzugänge, womit wir zusammen mit Lena Stigrot auf ein starkes Nationalmannschaftstrio bauen“, sagt Lippuner. Neu im Team sind außerdem die Zuspielerinnen Ilka Van de Vyver aus Belgien und Clarisa Sagardia aus Argentinien, die beide langjährige internationale Erfahrung mitbringen.

SC Potsdam
Tabellenplatz vier nach der Hauptrunde und im Pokal im Halbfinale: Die Spielerinnen vom SC Potsdam feierten 2016/17 eine der erfolgreichsten Spielzeiten der Vereinsgeschichte. „An die Leistung von letzter Saison anzuknüpfen, das ist unser Ziel. Da aber die Konkurrenz stärker geworden ist, ist erst einmal eine gute Platzierung für die Play-offs wichtig“, sagt Sportdirektor Toni Rieger.
Nach dem Abgang der in der abgelaufenen Saison so starken Roslandy Acosta kommt die 22-jährige Serbin Natasa Cikiriz als Ersatz. Zudem soll die vom Liga-Konkurrenten Erfurt verpflichtete Antonia Stautz, 24 Jahre alt, die Annahme verstärken. Cheftrainer Davide Carli stehen zwölf Spielerinnen für die kommende Saison zur Verfügung, zwei davon wurden aus der eigenen Jugend zu den Profis befördert. Bei den Heimspielen in der Potsdamer MBS-Arena wird sogar der Münzwurf zum Highlight: Dafür gibt es eine einzig dafür designte Münze.

SSC Palmberg Schwerin
Nach einer drei Jahre andauernden Durststrecke holte der Schweriner SC unter Trainer Felix Koslowski 2017 den Deutschen Meistertitel wieder in die Landeshauptstadt – und kurz vor Saisonstart auch noch den Supercup. Trotzdem steht der elfmalige Meister vor der schweren Aufgabe, die Nationalspielerinnen Lenka Dürr und Maren Fromm (ehem. Brinker) zu ersetzen – das sollen möglichst die Neuzugänge Luna Carocci aus Italien (Libera) und die ungarische Nationalspielerin Gréta Szakmáry (Außenangriff) kompensieren.
Die Neuzugänge dürfen mit dem SSC im CEV Cup auch international starten, im Vorjahr kamen das Team aus dem Norden bis ins Halbfinale des Challenge Cups. „Der CEV Cup ist stärker besetzt als der Challenge Cup in der letzten Saison. Es wird nicht leicht für uns - dennoch ist es das Ziel, das Viertelfinale zu erreichen“, sagt Geschäftsstellen-Leiter Andreas Burkard.
In Jennifer Geerties, Denise Hanke, Louisa Lippmann und Marie Schölzel hat Coach Koslowski noch immer vier deutsche Nationalspielerinnen in seinem Kader, mit denen er im Sommer in seiner Doppel-Funktion als Bundestrainer im EM-Viertelfinale landete. „Wir spielen jetzt noch in drei Wettbewerben und wollen so viele Medaillen sammeln wie möglich“, sagt er. Dennoch: Koslowski stuft den Konkurrenten aus Stuttgart als Meisterschaftsfavoriten ein.

Schwarz-Weiß Erfurt
Mit drei Siegen aus 22 Spielen haben die Erfurterinnen in der vorigen Premieren-Saison in der Bundesliga Lehrgeld bezahlt. Und hoffen nun, dass sie mit einem großen Umbruch im Kader eine bessere Rolle in der neuen Saison spielen können. „Wir hoffen, dass alle neuen Spielerinnen eine Verstärkung sind und uns dabei helfen, unsere sportlichen Ziele zu erreichen“, sagt Manager Heiko Herzberg.
Welche diese sind, bringt Trainer Jonas Kronseder auf den Punkt: „Wir wollen den sportlichen Klassenerhalt diesmal schaffen und daran arbeiten wir tagtäglich. Dazu gehört auch, dass wir unserem sehr geduldigen Heimpublikum mehr Erfolge bescheren wollen als im Vorjahr.“ Den Titelkandidaten sieht man bei den Thüringerinnen weiter nördlich angesiedelt. „Der Schweriner SC ist für uns der Topfavorit und hat aus unserer Sicht beste Chancen, seinen Titel zu verteidigen. Die Mecklenburgerinnen verfügen über eine starke, gewachsene Mannschaft, mit hervorragender Struktur im Umfeld und dürften wohl das gefestigtste unter den Spitzenteams sein“, meint Teammanager Heiko Herzberg.

USC Münster
Neun neue Spielerinnen hat der elfmalige Deutsche Meister (vorerst letzte Meisterschaft: 2005) vom USC Münster für die anstehende Saison in seinem Kader. „Wir haben ein hoch motiviertes, neues Team zusammen, das sich zudem durch einen großen Willen und Teamgeist auszeichnet. Wir sind bereit für jede Herausforderung", sagt Cheftrainer Teun Buijs.
Der Niederländer ist ein erfahrener Trainer und weiß, wie man Titel gewinnt: Mit dem Schweriner SC wurde Buijs zweimal in Folge Meister und Pokalsieger (2012 und 2013). In seinem ersten Jahr in seinem neuen Verein legt er sich aber nicht auf ein konkretes Saisonziel fest, will aber dass seine USC-Frauen „in diesem Jahr eine wichtige Rolle in der 1. Bundesliga“ spielen.

VC Wiesbaden
Auf Rang fünf landete der VC Wiesbaden in der abgelaufenen Saison, in den Play-offs scheiterte das Team erst im Halbfinale am späteren Meister Schwerin. „Wir gehen mit sieben Leistungsträgern aus der letzten Spielzeit (u. a. Tanja Großer, Irina Kemmsies und Karolina Bednárová, der Red.) in die neue Saison und konnten unser Team gezielt um fünf junge, aber bereits bundesligaerfahrene Spielerinnen ergänzen“, sagt Trainer Dirk Groß. Das sind gute Voraussetzungen, um an die Erfolge aus der Saison 2016/17 anzuknüpfen.
Zudem hat Groß genaue Vorstellungen davon, was sein Team in der neuen Spielzeit ausmachen soll: „Ich denke, dass wir uns durch mannschaftliche Geschlossenheit, eine gewisse Zielstrebigkeit und große Spielfreude auszeichnen werden. Unsere Mannschaft ist talentiert, clever, jung und dynamisch.“ Er selbst darf auf einen großen Rückhalt aus der Vereinsführung setzen. „Uns ist Kontinuität auf und neben dem Spielfeld sehr wichtig. Deshalb haben wir den Vertrag mit unserem Chefcoach Dirk Groß und unserem Co-Trainer Christian Sossenheimer vor der Saison um gleich zwei weitere Jahre verlängert“, sagt VCW-Geschäftsführerin Nicole Fetting.

VC Olympia Berlin
Der VC Olympia Berlin ist die Nachwuchsschmiede des Deutschen Volleyball-Verbandes und ein in vielerlei Hinsicht einzigartiges Projekt in den deutschen Ballsportarten: Bei dem Bundesstützpunktteam mit Sonderspielrecht steht die Nachwuchsarbeit an erster Stelle. Hier sollen die Stars von Morgen für Furore sorgen – der Altersdurchschnitt des Teams von Martin Frydnes aus Norwegen liegt gerade mal bei 18 Jahren.
Nach einigen wenigen Abgängen rücken Spielerinnen aus den Jahrgängen 2000 und 2001 in das Erstligateam - unter anderem Emma Cyris, Josepha Bock und Romy Jatzko. „Das sind Namen, die man sich merken sollte“, sagt Manager Jörg Papenheim, „als Ausbildungsteam gibt es nur ein Saisonziel: Bestmögliche Ausbildung zur Vorbereitung der eigenen zukünftigen - hoffentlich erfolgreichen - Bundesligakarriere aller Spielerinnen.“ Ein Beispiel für die hervorragende Arbeit des VCO: Bei der diesjährigen Volleyball-EM der Damen standen gleich fünf ehemalige Spielerinnen des VCO im deutschen Kader.

VfB Suhl LOTTO Thüringen
Platz zehn nach der Hauptrunde, in den Pre-Play-offs war für Suhl Schluss. In diesem Jahr soll es weiter nach oben gehen: Platz acht und damit einen direkten Play-off-Platz nimmt man beim VfB ins Visier. „Wir haben ein in der Breite gut aufgestelltes Team. Glücklicherweise konnten wir für diese Saison frühzeitig drei Mittelblocker verpflichten, damit haben wir uns zur Vorsaison verbessern können“, sagt Manager Heiko Koch.
Neben den sportlichen Herausforderungen wartet auf die Thüringerinnen aber auch in Sachen Heimspielstätte eine große Aufgabe. Die Sporthalle „Wolfsgrube“ in Suhl wird bundesligatauglich umgebaut, wegen baulicher Verzögerungen müssen die Heimspiele der Saison 2017/18 in der rund 30 Kilometer entfernten Meininger Multihalle stattfinden. Für die Arbeit im Verein hat der VfB in Stefan Mau einen ausgewiesenen Fachmann nach Thüringen lotsen können – Mau war jahrelang Manager beim VfB Friedrichshafen, dem Rekordmeister aus der Männer-Bundesliga.

Spielmodus
In der 1. Liga Frauen treten elf Mannschaften gegeneinander an. Die Meisterschaft wird über eine Hauptrunde und anschließende Play-offs entschieden. Letztere werden ab der Saison 2017/18 im neuen Spielmodus ausgetragen: Die Endrunde mit den besten acht Teams startet direkt mit den Play-off-Viertelfinals, die bisher im Vorfeld ausgespielten Pre-Play-offs entfallen.

Von:  VBL/weg

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