Masahiro Yanagida will auch im Pokalfinale hoch hinaus (Foto: Lucas Martin).

02Feb2018

Hysterie in Fernost – Japans erster Pokalfinalist

Genau einen Monat vor dem Pokalfinale am 4. März in der SAP Arena in Mannheim kommt es am Sonntag (17:00 Uhr) in Bühl schon zum Aufeinandertreffen zwischen „Bisons“ und „Häflern“. Alle Augen werden dann nicht nur auf den Favoriten und Tabellenführer vom Bodensee gerichtet sein, sondern auch auf Bühls Masahiro Yanagida, den ersten Japaner, der die Bälle durch die deutschen Volleyball-Arenen schmettert.

„Big in Japan”
Vor Saisonbeginn waren es nicht die Top-Vereine aus Friedrichshafen, Berlin oder Frankfurt, die für Aufregung sorgten. Vielmehr gehörte ein Großteil der Aufmerksamkeit den Bisons aus Bühl, die wegen Masahiro Yanagida plötzlich auch in Fernost in aller Munde waren. Von Osaka ging es für Yanagida, der im Alter von sieben Jahren das Volleyball-Spielen gelernt hat, ins beschauliche Bühl. Doch die Medienaufmerksamkeit war auch hier ungebrochen: Zu seinem Debüt erschienen mehrere japanische Fernsehsender, die den ersten Auftritt sowie das Match live vor Ort in die Heimat übertrugen.

Tränenreicher Abschied
Yanagida oder auch Drachengott, wie man in Japan die Spieler der Nationalmannschaft nennt, ist ein echter Star in seiner Heimat. Allein auf Twitter folgen ihm 170.000 Fans, die sich über regelmäßige Updates aus Deutschland freuen. Die Sehnsucht nach dem 25-jährigen, der vor seinem Wechsel nach Bühl für den Erstligisten Suntory Sunbird aufschlug, ist groß. Bei der Abreise aus Japan begleiteten ihn ebenfalls mehrere Fernsehteams sowie hunderte Fans, die bei seinem Abschied teilweise in Tränen ausbrachen. Ein roter Teppich, der extra für ihn ausgerollt wurde und eigens engagierte Bodyguards unterstrichen die Wertschätzung und Hysterie, die dem Außenangreifer in Japan zuteil wird.

Urlaub in Bühl
Die Begeisterung macht sich auch in seiner neuen Stadt bemerkbar. „Wir haben von Hotels die Rückmeldung bekommen, dass  japanische Gäste Übernachtungen angefragt haben, um bei ihren Europareisen einen Stopp in Bühl zu machen. Es gab auch schon japanische Fans, die eigens für Spiele von Japan nach Bühl fliegen, so groß ist die Begeisterung“, sagt Bühls Geschäftsführer Manohar Faupel.

„Ich brauche den Hype um mich nicht, natürlich freut er mich. In Osaka ist es manchmal unangenehm, wenn die Leute auf der Straße gleich auf einen zeigen und ein Foto oder Autogramm wollen. In Bühl werde ich nicht oft gefragt, auch wenn mich die Leute kennen. Sie sind hier sehr nett und unter diesem Aspekt, ist es hier einfacher als in Osaka“, sagt Yanagida.

Viel Eingewöhnungszeit hat er bei seiner ersten Auslandsstation als Profi-Volleyballer nicht gebraucht. In der Bundesliga ist er direkt zum Leistungsträger seines Teams aufgestiegen und hat in 13 Spielen 159 Punkte für Bühl erzielt. Im Punkteranking liegt er damit als bester Bühler Angreifer auf Platz drei. Mit seinen Leistungen hatte er auch großen Anteil am zweiten Pokalfinaleinzug in der Geschichte der Bühler. Er ist damit der erste Japaner, der im Pokalfinale steht und sehr glücklich über den Wechsel: „Es war die beste Wahl nach Deutschland zu gehen. Die Mentalität hier ist ähnlich wie die in Japan, die Menschen sind ernsthaft und seriös.“

„Bühl goes Japan”
Etwas aggressiver geht man es in Bühl beim Ticketverkauf für das Pokalfinale an. Mit einer extra dafür eingerichteten japanischen Ticketseite will man auch die Fans aus Fernost in die SAP Arena in Mannheim locken. Außerdem ist ein weiterer Coup gelungen. Tetsuya Kimura, Generalkonsul von Japan, wird aus München nach Bühl kommen, um sich mit Yanagida und der Fangruppe aus Japan zu treffen. Der im Oktober neu angetretene Generalkonsul hatte bereits in seinem Grußwort auf der Homepage des Konsulates auf Yanagida hingewiesen: „Darüber hinaus habe ich erfahren, dass Masahiro Yanagida seit Beginn der neuen Saison von einer Volleyball-Bundesliga-Mannschaft verpflichtet wurde.”

1400 Plätze sind in Mannheim reserviert, die Marke von 900 Ticket-Paketen wurde in Bühl schon in dieser Woche geknackt. Darunter sind auch über 30 japanische Fans, die ihren Helden spielen sehen wollen. „Wir brauchen die Unterstützung der Bühler Zuschauer, der Fans aus ganz Baden und der Region Mannheim. Ohne diese Fans haben wir keine Chance, den roten Block in der SAP-Arena zu bilden und für unser junges Team wird es schwierig, sich vor der Kulisse von gut 12.000 Zuschauern zu behaupten”, wirbt die Mannschaft um Unterstützung bei den eigenen Fans. Und zumindest in dem Punkt liegen die Bisons gegenüber dem Titelverteidiger aus Friedrichshafen schon vorn.

Von:  VBL/weg

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