Bald ist Patrick Steuerwald in einem neuen Trikot eines Vereins mit unaussprechlichem Namen zu sehen. Foto: FIVB

22Okt2010

Einerblog: Das wichtigste Wort in Italien ist "Domani"

Mit 1,80 Metern Körpergröße kann Patrick Steuerwald nicht gerade auf ein Gardemaß für Volleyballer verweisen und muss sich deshalb von seinen Mitspielern den Spitznamen „Nano“ (Nanometer gleich ein Tausendstel Mikrometer) gefallen lassen. Aber die fehlenden Zentimeter kompensiert der 23-jährige Zuspieler locker. Er ist ein cleverer Bursche, der als Sprachrohr seiner Teams viel zu erzählen hat. Im Einerblog auf www.volleyball.de berichtet Steuerwald regelmäßig von den Abenteuern, die er aktuell mit der Nationalmannschaft erlebt.

Hallo zusammen!

Hier bin ich mal wieder. Ab sofort melde ich mich aus meiner neuen Heimat Italien. Die WM habe ich mittlerweile gut verdaut. Das Gipfeltreffen der weltbesten Teams war ein guter Vorgeschmack, auf das, was mich diese Saison hier erwarten wird. Du spielst gegen die besten Mannschaften, die es momentan auf Vereinsebene gibt. Meine Mannschaft spielt dieses Jahr unter dem schönen Namen „Rpa-LuigiBacchi.It San Giustino“. Das muss man erst einmal unfallfrei aussprechen geschweige denn schreiben können. San Giustino liegt rund 70 Kilometer nördlich von Perugia und circa 230 Kilometer nördlich von Rom. Die Region, in die es mich verschlagen hat, heißt Umbrien und hat sowohl für Kulturbegeisterte als auch für Freunde des Sports, einiges zu bieten. Da das Wetter momentan zumindest tagsüber noch sehr angenehm ist (18 Grad und Sonnenschein), blockieren täglich Dutzende Fahrradfahrer durch nebeneinander fahren, mein Vorankommen auf den Straßen.

Wir (mein Kollege Sebastian Schwarz wohnt zwei Meter neben mir) wohnen in der Weltstadt Piosina, ganz in der Nähe von unserem Spielort San Giustino. Noch nie gehört? Na ja, das ist auch kein Wunder. Außer ein paar Häuschen, einem Tante-Emma-Laden und einem Cafe, das in einer Garage untergebracht ist, gibt es hier nämlich nichts. Trotzdem fühl ich mich hier bisher sehr wohl. Die Leute sind sehr freundlich und hilfsbereit.

Womit wir auch schon beim ersten Problem wären. Da es ja mein erstes Jahr außerhalb von Deutschland ist, fallen meine Italienischkenntnisse nach einer Woche noch recht bescheiden aus. Deshalb wird mit großem Einfallsreichtum, Händen, Füßen und was sonst noch gerade in der Nähe ist, kommuniziert. Aber wie gesagt, da die Leute sehr hilfsbereit sind, klappt das bisher ganz gut.

Immerhin bestätigen sich so einige Klischees, die man mit Italien verbindet. Das wichtigste Wort im italienischen ist wohl „domani“ – morgen. Wann kommt das Auto? „Domani“. Wann gibt es Internet? „Domani“. Wann kommt der Techniker? „Domani“. Das kann sich täglich wiederholen, unsere Mitspieler warten nach zwei Monaten immer noch auf ihren Internetanschluss.

Dabei ist es nicht so, dass es den Italienern an Zeit mangeln würde. Egal ob an der  Kasse im Supermarkt oder beim Duschen. Über Zeit wird nicht geredet, die hat man einfach. Deshalb gilt hier grundsätzlich: Eher etwas mehr Zeit einplanen. Die Ausnahme bildet da das Auto fahren. Wenn, wie oben schon erwähnt, die Straßen nicht gerade von Fahrradfahrern blockiert werden, verlieren jegliche Verkehrsschilder, die erfunden wurden, um den Verkehr zu regeln, ihre Bedeutung. Ob jemand gerade ein Stoppschild vor der Nase hat oder welche Zahl auf dem Verkehrsschild steht, ist nicht von Bedeutung. Wichtig ist: Wer bremst verliert! So, das waren meine ersten Eindrücke aus Italien. Ihr dürft gespannt darauf sein, was ich Euch demnächst zu berichten habe. Ich bin jetzt ja noch nicht mal zwei Wochen hier, ich werde also noch viele Eindrücke sammeln aus bella Italia, die ich Euch dann mitteile. Natürlich auch, wie es für Sebastian und mich sportlich läuft.

In diesem Sinne bis zum nächsten Mal.

Euer Nano

 

 

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