Und jetzt ab nach Rom: Paul Carroll und die BR Volleys dürfen sich freuen. Foto: CEV

13Apr2017

BR Volleys im Final Four der Königsklasse nach 3:2 in Moskau

Die Sensation ist perfekt – die Berlin Recycling Volleys fahren nach Rom zum Final Four der Champions League! In einem Spiel für die Geschichtsbücher bezwangen die Berliner Dynamo Moskau ein zweites Mal mit 3:2 (37:35, 22:25, 21:25, 25:15, 15:8) und ziehen erstmals auf sportlichem Weg in das Final Four der Königsklasse ein. Damit haben Kapitän Robert Kromm und Co. einer überragenden Saison in dem Europapokal-Wettbewerb schon jetzt die Krone aufgesetzt. In der ewigen Stadt treffen die Comeback-Könige am 29. April voraussichtlich auf den Titelverteidiger Zenit Kazan.

Die siegreiche Formation aus dem Hinspiel sollte es auch in Russland richten. Robert Kromm, Ruben Schott, Graham Vigrass, Aleksandar Okolic, Paul Carroll, Tsimafei Zhukouski und Luke Perry waren gefordert. Die Berliner begannen extrem konzentriert im Sports Palace zu Moskau. Mit starker Block-Feld-Abwehr legte der Deutsche Meister regelmäßig Breakpunkte vor (2:0, 6:4). Der zu fünft nach Moskau gereiste Fanclub „7. Mann” bejubelte dann zwei Servicewinner von Okolic (15:12), doch die russischen Riesen wussten zu kontern (15:17). Beide absolut gleichwertigen Mannschaften zeigten immer wieder schnellen Volleyball über die dominanten Mittelblocker (19:19). Es wurde sich nichts geschenkt und nachdem die Russen zunächst zwei Satzbälle liegen ließen, wehrten sie höchstkonzentriert gleich zehn Chancen der Berliner ab. Mit seinem dritten Block allein im ersten Satz erlöste Vigrass die Männer in Schwarz: 1:0-Führung nach 45 (!) Minuten Spielzeit (37:35).
Die Olympiasieger auf der anderen Netzseite reagierten gereizt und allen voran Berezhko brachte Berlins Volleyballteam Nr. 1 in Verlegenheit (0:6, 3:8). Während Dynamo nun felsenfest in der Annahme stand, hielten Kromm und Co. mit der besseren Blockarbeit dagegen (12:16). Zahlreiche Aufschlagfehler der Russen ließen die Mannschaft von Trainer Serniotti hoffen (18:19). Eine unglückliche Netzberührung von Vigrass beim Drückduell mit Grankin bescherte Moskau drei Satzbälle und im zweiten Anlauf stand es verdientermaßen 1:1 (22:25).
Starangreifer Bakun, der zwischenzeitlich durch den nicht minder durchschlagskräftigen Kruglov ersetzt wurde, kehrte aufs Parkett zurück und Moskau legte wieder vor (6:8). Aber in Durchgang drei konnten die BR Volleys sich dann wieder voll und ganz auf Diagonalangreifer Carroll verlassen, der nahezu fehlerlos Punkt um Punkt sammelte. Dazu kamen erst ein Ass und ein Hinterfeldangriff von Kromm, dann ein Block von Okolic (14:11). Dieser Drei-Punkt-Vorsprung wurde zunächst gekonnt verteidigt, bis erst Grankin (19:20) und dann Antipkin (20:23) die Berliner mit ihren Aufschlägen komplett aus dem Rhythmus brachten. Ein strittiges Ass – auf oder neben der Linie – von Volkov sorgte für das 25:21 und die 2:1-Satzführung Moskaus.

Nun hatte sich der Druck hin zum Deutschen Meister verlagert, den nächsten Satz benötigten die Gäste und sie lieferten in beeindruckender Manier ab. Von Beginn an zogen die Serniotti-Schützlinge davon. Ob Zhukouski mit dem Leger, Schott gegen den Dreierblock oder Carroll im Block gegen den Hinterfeldangriff – es spielte nur noch eine Mannschaft (6:2, 10:5, 16:10). Zwei Blocks in Folge (Schott und Okolic) entschieden diesen Durchgang frühzeitig (18:11). Auch Steven Marshall schaffte es noch auf das Scoreboard und eine erfolgreiche Challenge nach Kromm-Angriff bescherte den 2:2-Satzausgleich (25:15).

Im Tie-Break setzten sich die Gäste sofort in den Köpfen der Russen fest und sammelten in der Block-Feld-Abwehr einfach alles ein (5:1). Der Lauf hielt an und mit 8:4 wurden die Seiten gewechselt. Der Australier Carroll (59 % Angriffsquote) ließ nicht mehr locker und Vigrass war mit weiteren Schnellangriffen zur Stelle - die BR Volleys hatten tatsächlich acht Matchbälle zum Einzug ins Final Four der Königsklasse (14:6). Aleksandar Okolic verwandelte Nummer drei zum grenzenlosen Jubel und dem Ticket für die Reise in die ewige Stadt.

Ruben Schott, der in dieser Königsklassen-Saison ein weiteres Mal über sich hinauswuchs, war im Anschluss sichtlich bewegt: „Es ist ein unbeschreibliches Gefühl. Dass wir uns diesen Traum jetzt erfüllt haben, ist unfassbar. Mein Körper zittert noch immer und wir sind alle überglücklich. Der erste Satz hat uns gezeigt, dass wir mithalten und sogar dominant sein können, auch auswärts. Wir haben immer an uns geglaubt. Ab dem vierten Satz spielten wir wie im Rausch. Am Schluss habe ich nicht mehr auf die Punkte geguckt und nur den Fokus auf jeden einzelnen Ball gelegt. Und wir haben uns belohnt.”

Ein stolzer Manager Kaweh Niroomand ordnete diesen Erfolg sehr hoch ein: „Ich bin sprachlos und das passiert selten. Das ist die größte sportliche Leistung unseres Vereins, ein geschichtsträchtiger Erfolg. Der Schlüssel war, dass die Mannschaft nach dem dritten Satz nicht resigniert hat, weil wir schon dort besser waren. Die Russen haben einseitigen Power-Volleyball gespielt und wenn man dort lange mithält, können sie ihr Spiel nicht umstellen. Dazu kam eine sehr gute Blockarbeit von uns. Jetzt freuen wir uns als gesamter Verein auf das Erlebnis in Rom.” Dort bekommen es die BR Volleys im Halbfinale voraussichtlich mit der wohl besten Mannschaft Europas zu tun, dem viermaligen Champions-League-Sieger Zenit Kazan, der das Play-off-Six-Hinspiel gegen Belogorie Belgorod (RUS) mit 3:1 gewonnen hat.

Von:  BRV/weg

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