Zwei Profis auf dem Weg nach oben: Jan Romund (Annahme) und Paul Becker. Foto: sbt/HochZwei/Malte Christians

20Aug2014

Becker/Romund: Ein Projekt, zwei Profis, viele starke Partner

Der Blick auf die Teilnehmerliste für die Deutschen Meisterschaften lässt ein Strahlen auf den Gesichtern von Paul Becker und Jan Romund erscheinen. 16. Platz, 341 Zulassungspunkte und damit qualifiziert für die Titelkämpfe in der Kultstätte am Timmendorfer Strand. So etwas nennt man wohl Punktlandung. Jeder Beachvolleyball-Profi träumt davon, im Wembley der Sandartisten auftreten zu dürfen. Paul Becker und Jan Romund haben es geschafft, am Dienstag bekamen sie die Einladungsmail des Deutschen Volleyball-Verbandes.

Der Blick auf das ärztliche Bulletin nach einer Untersuchung Paul Beckers am Tag zuvor sorgt jedoch für sorgenvolle Mienen im Teamlager. Becker hatte am Wochenende beim smart beach cup in Nürnberg gleich im ersten Satz des Auftaktmatches eine Medical Timeout nehmen müssen und konnte danach nicht mehr spielen, obwohl sein Partner und er dringend Ranglistenpunkte benötigten, um die DM-Teilnahme zu sichern. Vorläufige Diagnose: Zerrung in der Leiste, ein wenig Ruhe ist notwendig, um dann an der Ostseeküste den Sand umgraben zu können.

Es passt ins Bild einer Saison, in der Becker/Romund etwas geschafft haben, was längst nicht jedes deutsches Duo auf die Reihe bekommt. Selbst wenn es als Nationalteam geführt wird und einen entsprechenden Wert repräsentieren müsste: Sportlich blieben Becker/Romund zwar weit hinter ihren eigenen Erwartungen, dennoch ist es ihnen gelungen, sich glänzend zu vermarkten. Begonnen hatte die Liason vor gut einem Jahr beim Super Cup in Binz, wo sich Becker (24) und Romund (30) über Beachvolleyball im allgemeinen unterhielten. „Wir waren uns schnell einig”, so Becker, „dass in diesem Sport mit seinem absolut positiven Image mehr drin steckt, es aber keiner richtig nutzt.” Selbst Nationalteams tun sich schwer, sich zu vermarkten und attraktiv zu positionieren. „Dabei war uns klar, dass wir keine Gipfelstürmer sind, sondern allenfalls Top-Ten-Kandidaten”, sagt Romund, der zu dem Zeitpunkt noch als Lehrer an einem Gymnasium in Münster arbeitete. Erst nach der DM, die Becker (mit Aljoscha Grabowski) auf Rang sieben und Romund (mit Tilo Backhaus) auf Rang 13 beendet hatte, taten sie sich zusammen, um gemeinsam das Projekt „Becker/Romund” auf die Beine zu stellen. In stunden- und tagelangen Gesprächen erarbeiteten sie ein Konzept, dessen Inhalte sie für sich behalten, von dem sie nur verraten: „Wir sind ehrgeizig, wollen was erreichen, können uns als Markenbotschafter präsentieren, verkörpern das Image von Beachvolleyball und bieten Unternehmen einen Mehrwert.”

Bei den Marketingverantwortlichen des Mobilfunkanbieters congstar, seit zwei Jahren Partner der deutschen Tour, stießen sie damit auf offene Ohren. Obwohl Becker/Romund deutlich machten, dass sie sportlich nicht das beste Team sind: „Dann hätten sich unsere Partner jemand anderes suchen müssen.” Doch bei den Planern des Kölner Unternehmens kam das Auftreten gut an: „Sie vertreten ein Stück weit unsere Markenwerte, wir sind jung, dynamisch und fair. Wir haben uns verschiedene Teams und Konstellationen angeschaut, aber Paul und Jan haben am meisten überzeugt.”

Für Becker und Romund hieß es ab dem Moment, ihr Konzept weiter in die Tat umzusetzen. Kontakte zu Medien in ihren Wohnorten Münster (Romund) und Mainz (Becker) wurden aktiviert, Kooperationen wurden geschlossen mit der Website beach-volleyball.de und der Münsteraner Uni, wo ein großes Transparent auf der Beachvolleyball-Anlage hängt, Videos für Trainingstipps und congstar gedreht, Camps besucht. Alles in Eigenregie, denn einen Manager gibt es nicht. Noch nicht: Für die kommende Saison wollen sie sich Unterstützung ins Team holen und sind so gut wie fündig geworden.

Natürlich fordert das Energie und schafft nicht nur Freunde: „Viele Teams sind gegen uns besonders motiviert”, so Romund, „weil sie es uns zeigen wollen.” Dabei hat dieses Duo nur getan, was andere längst hätten tun können: „Wir wollten Beachvolleyball spielen und die Chance nutzen, uns zu vermarkten, was sonst eigentlich keiner so richtig macht”, sagt Becker. Eben sich als bisheriges Nicht-Profi-Team professionell aufzustellen.

Dass die Saison sportlich „noch viele Gestaltungsmöglichkeiten nach oben lässt” (Becker) und die Platzierungen „uns selbst am meisten frustrierten”, verbuchen sie als Erfahrung: „Wir haben für unser Leben viel daraus gelernt”, sagt Romund, dessen Partner noch Sport und Politik auf Lehramt studiert. Becker hat für sich erkannt: „Ich wurde auf eine harte Probe gestellt, aber jetzt weiß ich, dass Beachvolleyball das ist, was ich will.”

Auf drei Jahre ist das Projekt angelegt, trotzdem wird es nach dem Saisonende auf den Prüfstand gestellt: „Wir gehen mit uns selbstkritisch um”, sagt Becker, obwohl es von keiner Seite her Druck gibt: „Wir brennen, leiden und kämpfen für den Erfolg. Das spüren alle, und deshalb werden wir auch so großartig unterstützt.”

Bei den Deutschen Meisterschaften in Timmendorfer Strand wird sich die Fangemeinde von Becker/Romund wieder versammeln, denen das Team zeigen will, „dass wir Spaß haben und uns über die Unterstützung freuen”. Nach dem das Ticket nun gebucht ist, können Kopf und Körper noch ein wenig regenerieren. Und dann soll im sonst so beschaulichen Kurort die finale Saisonparty steigen.

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